So, und nun wirklich der würdige Abschluss. Ich hatte anfänglich überlegt, hier noch einmal eine tiefgründige Reisereflexion niederzuschreiben, aber eigentlich ist das Fazit klar: Es war toll und ich würde es wieder machen. Ich werde es wieder machen.
Dies sind die letzten Bilder aus Buenos Aires, wo ich am Ende noch mal fast eine Woche war, einfach weil die Stadt so etwas wie der Heimathafen in Südamerika geworden ist. Vertraut, schön, lebendig, laut und willkommen. In dieser Fotostrecke ist dann zu bewundern:
Hostel Suites Palermo, das Zuhause in Buenos Aires, eine Tüte Milch, die damit wirbt weniger als 50 000 Bakterien zu haben (sehr vertrauenswürdig und mit das überzeugendste Argument dafür Milch zu trinken, das ich jemals gesehen habe), das Schild desjenigen, der davon überzeugt ist, dass Carlos Gardel noch lebt, die tolle Percussion-Band Sandomblé, die auf dem Markt von San Telmo gespielt hat (wo alle Zuschauer mal wieder mich vorwurfsvoll angeguckt haben, weil ich nur ein bisschen mitgetanzt habe, hach Argentinien), der Weg der Mütter des Plaza de Mayo mit den weißen Kopftüchern, meine Lieblingsparilla Donca und die letzte Milonga, auf der ich war, am Mittwochabend vor dem Rückflug mit dem genialen Orquestra Tipica El Afronte.
Als letztes lade ich euch noch ein Video von Piero hoch, der an einem ruhigen Abend zuhause uns das Lied “El Rincón” seiner Band “Puerta Facil” vorgespielt hat. Und das war’s dann. Drei Monate vergangen und ab nach Hause.
Passala bien, America del Sur. Und bis nächstes Mal!
Irgendwie sollte man das hier ja noch mal zu einem würdigen Abschluss bringen, deshalb noch mal ein paar Impressionen vom Ende der Reise bzw. von dem kurzen Ausflug nach Porto Alegre in Brasilien. Als Protagonisten sind dabei: das erste Foto nach Überquerung der brasilianisch-argentinischen Grenze, das Warten mit zwei Dänen auf den Weitertransport nach besagtem Grenzübergang (der Bus hatte uns einfach abgesetzt und gemeint, wir sollten halt auf den nächsten warten, nee, ist klar, die fahren ja auch so häufig, weil Feiertag und man stand fast gar nicht unter Zeitdruck, seinen Bus nach Porto Alegre von Foz do Iguazu zu bekommen usw usf), Impressionen von Porto Alegre, genauer gesagt aus dem Mercado General, wo ich astrein und sofort als Gringa identifiziert wurde von ein paar Straßenkünstlern und das obwohl wir eine wirklich große Gruppe an Schaulustigen waren, ergo war ich relativ beleidigt, weil Gringo/a genannt zu werden irgendwie doof ist und außerdem auch noch die Aufmerksamkeit aller anderen auf dich zieht, wo man ja eh nicht drauf steht und wenn das alles dann noch auf Portugiesisch passiert, dann hmpf, ihr könnt mich mal usw usf; ein generisches Bild eines Busbahnhofs, an denen ich ja äußerst gerne viel Zeit verbracht habe und natürlich, weil ich aus unerfindlichen Gründen noch kein Foto davon gemacht hatte, mein Marschgepäck des Tripps: großer Rucksack, kleiner Rucksack und die obligatorische Plastiktüte mit Wasser und Essen. Die Fotos von Gerda und mir lade ich an anderer Stelle hoch oder vielleicht auch gar nicht, weil, tja, äh, sind nicht so sehenswert.
Hier meine sehr laienhafte Benutzung von Google Maps, um meine Reiseroute darzustellen für die, die es interessiert. Abgerissene Kilometer wurden auch noch ausgerechnet:
Nur die Reiseroute: circa 13615 Kilometer.
Reiseroute + Hin- und Rückflug: 37615 Kilometer.
Ich muss dringend anfangen Flugmeilen zu sammeln.
P.S. Die Überschrift ist der Link, falls das nicht klar war.
[Flash 10 is required to watch video]
Kurzes Video vom Teufelsrachen mit mieser Qualität, um einen kleinen Eindruck von der Menge und Lautstärke der Wassermassen zu geben.
Die Wasserfälle von Iguazú, leider sind mir nach der Garganta del Diablo die Batterien ausgegangen, weshalb ich vom oberen und unteren Rundgang keine Bilder habe, ebensowenig wie von der brasilianischen Seite der Wasserfälle, weil ich die nicht besucht habe. Logisch, wa?
In 48 Stunden nach Iguazú
Nach Bolivien stand ich etwas unter Reisezeitdruck, deshalb war nach Tupiza Iguazú das nächste Ziel. Das hat mich nur 48 Stunden meines Lebens gekostet, mal wieder Nerven und Langeweile, aber die Ankunft im tropischen Iguazú, nach einer Woche frieren in Bolivien, hat das Ganze mal wieder wettgemacht.
Um das Hardcoretravelling zu verdeutlichen, hier die Reiseroute: 10 Uhr morgens Abfahrt Tupiza; Ankunft Villazón - Grenzübergang nach La Quiaca - 16 Uhr Bus nach Jujuy, Ankunft 21 Uhr - Weiterfahrt nach Salta um 23 Uhr, Ankunft um ein Uhr nachts, eine Stunde später Abfahrt nach Tucuman, Ankunft morgens um halb sechs - Abfahrt nach Iguazú um 11.30 Uhr - Ankunft um 10 Uhr des nächsten Morgens (anderthalb Stunden Verspäatung). Rest des Tages: am Pool rumhängen, Sonne, Luftfeuchtigkeit und Palmen genießen. Hallelujah!
Problem: Mein Bus nach Porto Alegre, Brasilien, ging am nächsten Abend um sieben und somit beinhaltete der nächste Tag nicht nur die Besichtigung der Wasserfälle, sonder auch noch einen Grenzübergang nach Foz do Iguazu, das Finden des internationalen Busterminals und das Prokurieren von Reais. Und da soll noch mal jemand sagen, Reisen sei keine harte Arbeit.
Die Wasserfälle von Iguazú waren dann auch schön, aber nach zwei Monaten krass beeindruckender Landschaft in Patagonien, Feuerland und Bolivien hat mich das tropische Klima, Fauna und Flora mehr beeindruckt. Sind halt doch nur Wasserfälle und mein Sinneszentrum war auf “Oaaahhh, boaahhhh, kraaaasss” eingestellt und dann war es einfach nur “schön”. Moral von der Geschichte: Die Neutronen-Theorie konnte ich nicht bestätigen und Iguazú macht man am besten vor dem ganzen Rest. Und vergisst nicht seine Kamerabatterien im Hostal. Und nimmt ein Regencape mit. Und lässt sich seine mitgebrachten Sandwiches nicht von Viechern klauen, die wie eine Mischung aus Wasch- und Ameisenbär aussehen. Und verdammt geschickt beim Essensklau sind. Und man geht früher als zehn Uhr morgens, um nicht in riesigen Oma/Opa-Touristengruppen stecken zu bleiben. Sprichwörtlich. Und erzählt dem Busfahrer nicht, man wolle ins Zentrum, wenn man eigentlich zum Busterminal will. Denn das sind entfernungsmäßig zwei sehr unterschiedliche Dinge.
Episode 115 von “Small World”: In einer winzigen Pizzeria in Tupiza in ein englisches Ehepaar reingerannt, die ich schon in El Calafate und Bariloche getroffen hatte. Sie haben mir leider ganz genau angesehen, dass ich keine Ahnung hatte, wo wir uns vorher getroffen hatten und haben mir etwas missmutig auf die Sprünge geholfen. Tüdelüüüü.
Unbolivable! (Part II)
Schlimm, wa? Noch mal derselbe miese Wortwitz. Aber nun soll ja noch mal erzählt werden, was ich sonst so in Bolivien getrieben habe. Davor noch mal kurz was zu dem Botschaftsgeschwafel von vor Bolivien: Die Tour, die ich gemacht habe, ist nicht ganz unumstritten. Offiziell sind seit Mai 2008 dabei um die zwanzig Touristen ums Leben gekommen, noch mehr verletzt worden. Ergo wollte ich, dass jemand weiß, wo ich bin und was ich mache. Die Berichte der anderen Reisenden, die die Tour mitgemacht haben und entweder Schwerverletzte einsammeln mussten oder selbst im Krankenhaus gelandet sind, haben ihr übriges getan. Ursachen hierfür sind meist betrunkene Fahrer, Jeeps in schlechtem Zustand oder schlichtweg Fahrer, die zu schnell fuhren und die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren. Für all die, die in die Verlegenheit kommen, kann ich nur sagen: Macht die Tour nicht von Uyuni aus, sondern von Tupiza, was circa zehn Busstunden südlicher liegt (aber nur zweieinhalb Stunden von Villazón, der Grenze zu Argentinien). In Uyuni gibt es über 80 Touranbieter, die sich mit den Preisen gegenseitig unterbieten, in dementsprechenden Zustand sind aber auch Fahrer und Fahrzeuge. In Tupiza gibt es nur drei Anbieter, die haben noch einen Ruf zu verlieren. Das ist zwar teurer, aber vertretbar und immerhin steht ja die eigene Sicherheit auf dem Spiel. Weiterer Vorteil der von Tupiza ausgehenden Touren: Man guckt sich den Salar de Uyuni, also den Höhepunkt der Tour, am letzten Tag an, während sich das ganze von Uyuni aus antiklimaktisch gestaltet mit dem Salar am ersten Tag (insgesamt sind es 4 Tage und 3 Nächte).
Soviel dazu, ich lebe noch und der Tripp war definitiv eines der Highlights meiner Reise. Angefangen hat eigentlich alles mit Emma. Ich wollte nach Salta noch einen Ausflug nach Jujuy machen und sie hat mich überredet gleich mit nach Bolivien zu kommen. Emma ist eine Londonerin, mit der ich eine zeitlang zusammengereist bin. Jujuy also gestrichen und mit ihr nach Bolivien gereist. Die Grenzüberquerung war dann schon einigermaßen nervig, weil wir von Salta aus den Bus um Mitternacht nach La Quiaca (Grenzstadt Argentinien) genommen haben, um sieben Uhr morgens ankommen sollten, anderthalb Stunden zu früh da waren, die Grenze aber erst um sieben aufmachte und Bolivien eine Stunde zurück lag. Also höhengeflasht und übermüdet (Salta 1000 M. ü. M., La Quiaca 3000) aus dem Bus ausgestiegen, mit dem Rest der müden Truppe auf diesem winzigen, versifften Bahnhof auf Sonnenaufgang gewartet (vor Sonnenaufgang sollte man nicht zur Grenze laufen, da zu gefährlich), alle ihre Schlafsäcke rausgekramt und kommunenähnlich in einer Reihe Kokatee geschlürft und gemeinsam gefroren. Dann kam endlich Bewegung in die Einheimischen und siehe da: Sonne aufgegangen. Also alle ihre Rucksäcke geschnappt und in einer großen Prozession Richtung Grenze gepilgert. Das war vor allem zwei Sachen: kalt und anstrengend, weil niemand höhenakklimatisiert oder der Kälte entsprechend angezogen war. In Bolivien angekommen haben sich alle ein Taxi genommen, um am Busbahnhof von tausend “hilfreichen” Händen begrüßt zu werden. Das schon erwähnte Geschreie ging los (“Tupiza, Tupiza, Tupiiiiizzaaaaaa!”) und erst als die meisten von uns Tupiza als Reiseziel abgenickt hatten, die Tickets verkauft waren und unsere Rucksäcke auf dem Dach dieses ältesten aller Reisebusse gelandet waren, hörte es ein bisschen auf.
Noch kurz eine kleine Anekdote von unserer Wartezeit in La Quiaca bevor es weitergeht: Dort haben wir in unserem kalten, kurzatmigen Elend einen jungen, bolivienerfahrenen Deutschen getroffen, der uns Kokablätter gegen unseren Schwindel angeboten hat (das wird übrigens offiziell als Hilfsmittel gegen Höhenkrankheit gesehen). Voll nett und als er uns erklärte, dass die Alkaloide von Kokablättern nur wirken, wenn man gleichzeitg Pflanzenasche oder als Äquivalent Backpulver zu sich nimmt, hab ich ihm das gleich geglaubt. Er hat also auf unsere ausgestreckten Hände Backpulver (ergo weißes Pulver) gestreut mit Anweisung es aufzulecken und im Mund mit den Kokablättern zu vermischen. Als Befehlsempfänger gesagt getan und erst als Emma mich darauf hingewiesen hat, dess es nicht so schlau ist, an windigen Grenzbahnhöfen weißes Pulver von den Händen zu lecken, das einem ein Wildfremder gegeben hat, dachte ich: Stimmt. Zu spät. Naja, ich wollte meinen Schwindel loswerden und für ungefähr fünf Minuten habe ich das auch geschafft, danach war wieder alles wie vorher. (Für alle Uninformierten: Kokablätter sind nicht gleich Kokain, mehr dazu bei unserer geliebten Wikipedia).
Zurück zum Reisebericht: Grenze geschafft, Bus nach Tupiza bekommen, Hotel ausfindig gemacht und erst mal zwei Tage akklimatisiert. Die 3000 Meter haben uns dann doch mehr zugesetzt als gedacht. Am dritten Tag ging es aber los zur Salar de Uyuni Tour mit noch einer Australierin (Rene), einer Kanadierin (Heather) und unserem Fahrer Felix und unserer Köchin Flora. Der Touranbieter war übrigens “La Torre”, Kostenpunkt für vier Tage und drei Nächte mit Übernachtung und Verpflegung 1200 Bolivianos (120 Euro), nur das Klopapier muss selbst mitgebracht werden, wie übrigens überall in Bolivien. Extra-Wasservorräte sind auch von Vorteil, weil man in der Höhe schnell austrocknet und viel Wasser trinken gegen Höhenkrankheit hilft.
Die folgenden vier Tage waren wir also in unserem kleinen weißen Toyota-Jeep mit Vollradantrieb unterwegs. Verpflegung im Kofferraum, der auch gleichzeitig als Mittagstisch diente, Rucksäcke auf dem Dach festgezurrt und los: drei Tage Nationalpark und am vierten zum Salar. Schon zu Beginn wurden wir darüber informiert, dass wir die ersten drei Tage keine Dusche oder auch nur fließend Wasser zu Gesicht bekommen würden, da “very basic accommodation” und wie basic ist uns erst aufgegangen als wir am ersten Abend uns über ein Dach über dem Kopf gefreut haben.
Bevor ich nun alle Einzelheiten unseres gleichermaßen spektakulären wie angsteinflößenden Tripps wiederkaue, gibt es hier die Kurzversion (die lange auf Wunsch persönlich): hysterische Lachanfälle von Felix und Flora nach der ersten halben Stunde Fahrt am Aussichtspunkt als sie sich umdrehten, um in vier kreidebleiche Mädchengesichter zu schauen, die nicht tiefer in ihre Sitze hätten rutschen können, dank winziger unbefestigter Straßen und steilen Abhängen; unglaubliche Landschaft; improvisierte Mittagessen inmitten von Lamadung und Lamas; schlafen in winzigen Dörfern des bolivianischen Altiplano (erste Nacht 4200 ü.d.M., zweite 4500 Meter, dritte 3600 Meter = arschkalt, kaum geschlafen, weil kurzatmig und aufgrund von null Lichtverschmutzung die schönsten und klarsten Sternenhimmel, die ich je in meinem Leben gesehen habe); Höhenkrankheit (arme Emma! Dem Rest ging es gut); frieren; Mondlandschaft; Dalis Wüste; Babylamas!!; ewig lange Stunden im Jeep; Geysire (höchster Punkt der Reise auf 5000 Metern!) und Flamingos (wusste nicht, dass die so hoch oben leben!); viel zu viel gutes Essen; unglaubliche Landschaften; Ohnmachtsanfälle nach Thermalbädern auf 4200 Metern; Kokablätter und viel Wasser und viel Freiluftpinkeln; jeden Morgen um halb fünf aufstehen; Betten aus Zement (mit Feng Shui ist da nicht mehr viel); unglaubliche Landschaften; Mädchenrebellion (“Egal, ob wir essen, wir wollen duschen!!!”); bolivianisches Krankenhaus und Sauerstoff; viele Sonnenaufgänge; viel Salz; lustige Fotos; dünneluftbedingte Lachanfälle; frieren; unglaubliche Landschaften; Stromausfälle und Diebstahlverdacht; ein rettender Ofen; Flamingos!; straßenbedingte Herzinfarkte (was zum Henker mach ich hier?!); Pinselstrichwolken; frieren; platte Reifen und Startprobleme; Felix und Flora adoptieren uns; zurück in der Zivilisation und ein bisschen traurig drüber.